Sendepause

Oder: Warum ich kein Fernsehen mehr gucke.

Ja, ich hab’s getan, ich habe dem TV adieu gesagt, vor 2 Jahren! Was mich dazu bewogen hat:

  1. Ich habe festgestellt, dass ich den Fernseher oftmals nur im Hintergrund habe dudeln lassen, während ich entweder im Netz unterwegs war oder in irgendwelchen Zeitschriften geblättert habe.
  2. Filme und Serien habe ich schon länger nicht mehr geguckt. Allenfalls Verbrauchersendungen und abendliche Talkrunden haben mich sporadisch interessiert
  3. Zeit im Leben ist viel zu kostbar, um sie mit passivem Konsum oftmals fragwürdigem Inhalts zu vergeuden.
  4. Der Fernseher ist der moderne Hausaltar. Er ist wie ein Götze, der angebetet wird (zumeist regelmäßig um 8 Uhr abends zur Tagesschau und anschließend beim Tatort). Und auch hier gilt: Wer hat den Größten… Leider richten manche Leute ihr Privatleben so sehr auf das TV-Programm aus, dass sie z. B. Treffen mit Anderen absagen oder verschieben. Glotze statt Mensch – irgendwie traurig.

Ob es mir schwer gefallen ist: Ehrlich gesagt, nein! Es kam zwar eher unfreiwillig, als mich mein Receiver im Stich gelassen hat, aber ich habe mir dann gesagt: Bevor ein neuer Receiver angeschafft wird, versuch es ohne TV. Und es hat so gut geklappt, dass ich mir nie wieder einen anschaffen will.

Filme schaue ich mehr als selten (auch da fehlt mir ehrlich gesagt nichts) und wenn ich Nachrichtenbedarf habe (was selten der Fall ist, ich lese online Zeitung und auf der Arbeit höre ich Radio – wohlgemerkt nur auf der Arbeit), dann kann ich online Nachrichten gucken.

Und Männe? Leider ist für ihn der Fernseher auch einer von vielen Hausaltären (neben anderen Bildschirmen). Vor irgendeinem Bildschirm hockt er immer. Ein Leben ohne TV hält er nicht für möglich.

Den TV-Verzicht habe ich dann noch weiter ausgebaut: Bildschirmverzicht herrscht bei mir an den meisten Abenden und das Radio bleibt in meiner Freizeit auch aus – digital detox tut echt gut!

rustikal verzopft

Socken für den Mann (soll ja nicht sein, dass er nichts von meiner Strickerei hat) standen auf dem Programm.

Hier war ich schon ein wenig neidisch, denn er hat sich die Lana Grossa meilenweit Merino (Farbe 2217, beige mit leichtem Farbverlauf) ausgesucht.

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(den Versuch, 2 gleichmusternde Socken zu stricken, habe ich hier nicht gemacht, mir war der Rapport zu lang, hat aber bei dem Garn auch Charme)

Genommen habe ich für ihn das Modell “rustikal verzopft” von Ewa Jostes, gefunden im Buch “basiswissen Socken stricken” (genau so steht das auf dem Titelcover, ich störe mich da des Öfteren an Groß- und Kleinschreibung).

Auch hier musste ich leider feststellen, dass die Anleitung nicht so fehlerfrei war, wie sie sein sollte. Man muss der Fairness halber sagen, dass Anleitungen, die auf eine Buchseite müssen, oftmals so komprimiert werden, dass einfach Fehler entstehen.

Mit der Nadel 2,0 ging es los, Anschlag (72 Maschen) und Bündchen waren etwas frickelig (was wohl an der dünnen Nadel lag). Das Bündchen musste übrigens abweichend zur Anleitung wie auf dem Foto (im Buch) und der weiteren Strickschrift ersichtlich, 4 re, 2 li gestrickt werden. Die Strickschrift wurde einmal gestrickt, dann kam die 2/3-Ferse an die Reihe.

Nicht erwähnt wurde, dass für die Umverteilung der Ferse auf 3 Nadeln auch der Rundenanfang um 2 Nadeln nach rechts verschoben werden musste, damit 3 Zöpfe auf dem Oberfuß liegen (wie auf dem Foto, im Buch sieht man es besser).

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Die 2/3-Ferse, die jedoch nicht mit der Tomatenferse verwechselt werden sollte, besteht aus 3 gleichen Segmenten, die über 2/3 der Maschen gestrickt wird. Dadurch nimmt sie viel Platz ein. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Bumerangferse: Es werden Doppelmaschen gebildet. Da jedoch 3 Segmente gestrickt werden, müssen diese flacher ausfallen. Dies passiert, indem in einer Reihe nicht wie bei der Bumerangferse bis zur Doppelmasche gestrickt und dann gewendet wird, sondern bereits 1 einfache Masche davor. Somit entstehen Gruppen von je einer Doppelmasche und einer einfachen Masche. Begonnen und beendet werden die Segmente mit jeweils einer halben Reihe zu Rundenbeginn-/Ende. Die Anzahl der übrig bleibenden Mittelmaschen ergibt sich aus einer Tabelle.

Zwischen den Segmenten werden 2 Zwischenrunden gestrickt (über die Ferse rechts, über die Oberfußmaschen im Muster). Bei der Maschenanzahl bestand schon das erste Problem: Mehr Maschen, als für die Größe erforderlich, lagen auf den Nadeln, Angaben über Abnahmen vor der Ferse – Fehlanzeige. Ich musste mich entscheiden, habe die Maschenanzahl beibehalten und eine Ferse für Größe 46/47 statt 42/43 gearbeitet. Leider war die Anleitung in diesem Buch nicht so eindeutig. Mittlerweile habe ich “der geniale Sockenworkshop”, wo die 2/3-Ferse fehlerfrei erklärt ist.

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Für den Fuß wurden die Maschen wieder auf 4 Nadeln verteilt (1./4. Nadel 20 M, 2./3. Nadel 16 M). Auf der 2./3. Nadel wird im Muster weitergestrickt. Nach 15 weiteren Runden wurden auf den Nadeln 1 und 4 (Fußsohle) insgesamt 8 Maschen abgenommen, sodass die eigentlich für diese Größe normale Maschenanzahl bei 4-fädigem Garn wieder erreicht war. Es befanden sich somit 16 Maschen auf jeder Nadel. Warum ich in der Anleitung aufgefordert wurde, nochmals Maschen zu reduzieren, bis sich auch auf der 2. und 3. Nadel 16 Maschen befinden (was sie seit der Neueinteilung nach der Ferse taten), verstehe ich nicht wirklich ;-).

Den Abschluss bildete eine Sternchenspitze.

Ob ich nochmal eine 2/3-Ferse stricke, hängt letztlich von Männe ab. Sollte ihm diese Ferse gefallen, mache ich das gerne (auch wenn ich das Gefühl habe, ewig an dieser Fersenart zu stricken).

 

Törtchen strickt

Was, schon wieder Socken?

Meine Schwiegermutter guckt mich immer ganz entgeistert an, wenn ich schon wieder was auf den Nadeln habe…

Zugegeben, auf Socken habe ich mich in letzter Zeit besonders eingeschossen, aber Socken haben auch entscheidende Vorteile:

  1. Sie sind absolut nützlich (vor allem, wenn man einen Altbau hat, der noch nicht fertig renoviert und daher teils zugig ist, denn so ein Winter kann lang sein…)
  2. Es sind eher kleine Projekte. Wenn ich gut vorankomme und abends auch immer mal wieder ein paar Runden schaffe, bin ich in einer Woche mit einer Socke fertig (aber die Tendenz liegt eher bei 2-3 Wochen).
  3. Man kann mit Bündchen, Fersen und Spitzen, Top-Down- und Toe-Up-Versionen rumexperimentieren, wie man Lust und Laune hat.
  4. Da ich gnadenlos faul bin, habe ich bislang keine Maschenprobe für Socken gestrickt (oh, da kann ich ja gleich in ein Wespennest stechen…). Bislang bin ich noch immer gut hingekommen. Meistens ist das Muster so variabel, dass man einfach ein paar Runden mehr oder weniger strickt, um auf die richtige Schaft- und Fußlänge zu kommen. Ich probiere die Socken immer wieder an, nach der Faustregel: wenn der kleine Zeh bedeckt ist, fängt die Spitze an. Auch Männe muss anprobieren, er soll ja zufrieden sein, mit dem, was ich ihm stricke…

Neben Socken stricke ich auch gerne Handstulpen. Begründung: Siehe oben, Punkt 1: Da ich eine absolute Frostbeule bin, leisten mir Stulpen gute Dienste. Ich habe vor, mir eine regelrechte Sammlung zusammenzustricken, für jeden Anlass quasi das richtige Paar. Bei Stulpen ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich sie in der Öffentlichkeit trage (ansonsten werden die meisten selbstgestrickten Socken entweder vom Muster her in Stiefeln auftragen oder in selbigen verschwinden, es sei denn, ich würde mir transparente Gummistiefel zulegen). Ich fange vermutlich nicht an, Latschen zu tragen, damit man meine kleinen Kunstwerke bewundern kann ;-). Obwohl mich auch Kniestrümpfe und Overknees reizen würden…

An größere Projekte (vornehmlich Pullis und Jacken, vielleicht auch Dekoration wie Decken, Kissen etc.) habe ich mich noch nicht herangewagt (ich fürchte um mein Durchhaltevermögen, vor lauter Frust bleibt dann vermutlich das Projekt ein UFO).

Ich stelle meine Projekte hier mit Herkunftsangabe der Anleitung dar. Fotos aus der Originalanleitung oder von fremden Projekten verwende ich nicht oder nur mit audrücklicher Genehmigung. Anleitungen oder Strickschriften veröffentliche ich nicht, ich helfe aber gerne weiter!

Basis-Rippen-Socke

Gefunden habe ich diese Anleitung im Simply Stricken Sonderheft “Fantastische Strick-Bibel” (kein weiterer Kommentar meinerseits wegen des Titels, angesprochen hat mich das Heft wegen der 16 Modelle von Kate Atherley).

Verwendet habe ich für diese Socken: Gründl Hot Socks Color, Farbe 410 (gefunden in einem Restposten-Markt).

 

Cameraein fröhlich-bunter Farbverlauf…

Die Basis-Rippen-Socke entsteht durch ein simples Rippenmuster 3 re, 1 li, das über die Fersenwand und den Oberfuß fortgeführt wird. Die Ferse wird durch eine Kombination aus Fersenwand, verkürzten Reihen und Maschenaufnahmen am Zwickel gearbeitet. Die Spitze wird als Bandspitze gearbeitet.

 

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Leider war auch ein Montagsknäuel dabei: an einer Stelle war das Knäuel nicht richtig durchgefärbt, an einer anderen Stelle war ein Knoten.

 

Das Sonderheft bietet zur Abwechslung die Mehrzahl der Modelle als Top-Down-Version oder Toe-Up-Version an. An Toe-Up-Socken habe ich mich noch nicht herangetraut, habe aber schon etwas im Auge ;-).

 

Da mir der Farbverlauf so gut gefallen hatte, habe ich gleich vier Knäuel gekauft und passende Stulpen (ebenfalls im Basis-Rippenmuster) gestrickt. Und für die Reste finde ich bestimmt auch noch Verwendung…

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eine schöne Kombination…

 

Als Socke wäre sie mir vermutlich einfarbig zu langweilig, aber als Socke für andere auf Wunsch ist das ein Modell, bei dem man wenig falsch machen kann…

Mustang

Mustang-Jeans kennt irgendwie jeder. Okay, fast jeder.

Aber wusstet Ihr, dass Mustang-Jeans die ersten Jeans waren, die in Deutschland produziert worden sind? Genauer gesagt in Künzelsau, Hohenlohekreis, Baden-Württemberg. Und genau da gibt es auch ein Outlet.

Die Firma Mustang wurde in den 30ern als Fabrik zur Herstellung von Berufskleidung gegründet. In den späten 40ern kam der Schwiegersohn der Unternehmensgründerin durch ein Tauschgeschäft in den Besitz von mehreren Jeans, die als Schnittmuster für “Arbeitshosen” genommen wurden. Als “Mustang-Jeans” firmiert die Marke seit 1958. Seitdem wurde die Jeans in Deutschlang nach und nach salonfähiger.

Die Geschichte des Unternehmens kann ein jeder im Detail in einer bekannten Online-Enzyklopedie oder anderweitig erlesen.

Das Wohnhaus der Firmengründerin Luise Hermann in Künzelsau wurde vor einigen Jahren in ein kleines Museum rund um die Mustang-Jeans umgewidmet.

Im Anschluss an den Museumsbesuch (der eingentlich nicht geplant war) waren wir noch im Mustang-Outlet, ebenfalls in Künzelsau (strategisch günstig gegenüber einem bekannten Schnellrestaurant gelegen). Sämtliche Mustang-Produkte gab es dort mal mehr, mal weniger deutlich reduziert. Mein Männe hatte gleich 3 Jeans in der für ihn schwer aufzutreibenden Größe 28 ergattern können, dazu noch 2 Hemden. Ich wurde mit einer Kurzarmbluse (nicht, dass ich da noch welche bräuchte *g*) und einem Paar Stiefeletten (für den Herbst) fündig.

Wer zufälligerweise an Künzelsau vorbeikommt (A 6, Heilbronn Richtung Nürnberg, Anschlussstelle Kupferzell, B 19 folgen), für den kann sich ein Abstecher ins Outlet lohnen, wenn man vielleicht keine allzu genauen Vorstellungen von einer neuen Jeans hat. Da man von der Autobahn aus auch durch den Ort Gaisbach fahren muss, der kann auch einen Abstecher ins Museum Würth machen (Reinhold Würth ist ein bekannter Kunst-Mäzen) oder die Kunsthalle Würth im benachbarten Schwäbisch Hall besuchen.

 

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…und dann ist uns im Outlet auch noch eine Jacke aufgefallen, die Männes Jacke doch verdächtig ähnlich sieht….

 

Goldmarie

Diese Zopf-Lace-Socken von Jane Burns habe ich in der Simply Stricken 3/2016 entdeckt.

 

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Ein Zopf verläuft vom Bündchen bis zur Spitze.

 

Da ich noch Sockenwolle in senfgelb da hatte, dachte ich: Los geht’s! Verstrickt habe ich: Vendita Sockenwolle (dahinter steckt Gründl), gekauft im Discounter als Doppelpack mit Nadelspiel der Stärke 2,5. Besonders gut hat mir die Kombination aus Zopf- und Lochmusterelementen gefallen, die auf dem Vorderfuß fortgeführt wird und hier durch Verkreuzen der Maschen spitz zuläuft.

 

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Die Kombination aus Zopfmuster (hier verschränkt) und Lochmuster macht die Socken so abwechslungsreich.

 

Die 4 Zöpfe sind auch noch unterschiedlich gestaltet: Vorne und hinten klassische Zöpfe aus rechten Maschen, die beiden seitlich verlaufenden Zöpfe entstehen durch rechts verschränkte Maschen. Gemeinsam mit dem Lochmuster bildet sich ein interessantes, abwechslungsreiches Maschenbild, welches durch die einfarbige Sockenwolle gut zur Geltung kommt. Das Muster wiederholt sich nach zehn Runden.

 

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Die Spitze im Muster wird mit verkreuzten Maschen gearbeitet. Die Fußspitze wird im Maschenstich geschlossen.

 

Hinzu kommen: Eine abgerundete Ferse (Kombination aus Fersenwand und verkürzten Reihen), Zwickelaufnahmen und eine Bandspitze, die im Maschenstich geschlossen wird. Die auf der Nadel verkreuzten Maschen waren für mich Neuland (wenn auch das einzige Neuland in diesem Projekt).

 

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Gut zu erkennen: das Zopfmuster beginnt bereits am Bündchen. Die Ferse wird mit verstärkter Fersenwand aus Hebemaschen, verkürzten Reihen und Zwickelaufnahmen gearbeitet.

 

Fazit:

Leider ging es bei den Bündchenrunden schon los: die Anzahl der Runden für’s Bündchen erschien mir zu hoch. Einen Blick auf’s Foto geworfen, Rundenanzahl korrigiert. Die Fersenrundung und die Zwickelrunden enthielten Fehler (rechte und linke Maschen waren vertauscht, der Rundenanfang beim Zwickel war nicht richtig wiedergegeben). Auch bei der Spitze waren die Rundenanfänge und somit die Angaben, wo die Abnahmen gemacht werden müssen, fehlerhaft.

Zu guter Letzt enthielt auch die Legende der Strickschrift ein paar Fehler. Abgesehen von den ganzen Fehlern (die mit Post-Its in der Anleitung korrigiert wurden), gelangen mir die Socken (bis auf die verkreuzten Maschen) auf Anhieb. Auch das Verkreuzen war nach 2-3 Anläufen verinnerlicht. Letztlich muss ich feststellen, dass ich an einigen Stellen die Fehler gar nicht gefunden hätte, wenn ich die Anleitung nicht sorgfältig und mehrmals gelesen hätte 😉 (manchmal sollte man auf sein Wissen vertrauen). Schade, dass die Anleitung so viele Fehler beinhaltete… SCHADE!

Nichtsdestotrotz ist mir ein schönes Paar Socken gelungen! Der Redaktion der Simply Stricken sollte ich trotzdem mal eine nette E-Mail schreiben…